Nateefa... alleine der Name gefiel mir direkt.
Kennengelernt haben wir Nateefa auf einer Araberschau in Langenfeld, wo ihr Fohlen, welches sie bei Fuß hatte teilnahm. Sie war verpachtet, aber der Eigentümer war auch anwesend und schwärmte meiner Mutter von seiner Stute vor. Ich konnte nur einen ganz kurzen Blick auf sie werfen, da ich selbst ein Pferd vorstellen mußte, aber was ich in dem kurzen Augenblick sah ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Sie war edel und hatte einen unheimlich stolzen Ausdruck, fast unnahbar blickte sie alle an.
Ihr Stutfohlen wurde Junioren Champion und das fand ich auch sehr berechtigt.

Danach verschwendete ich eigentlich keinen Gedanken mehr an sie, da sie nicht zum Verkauf stand und daher unerreichbar für mich. Bis... ja bis im Januar 1988 das Telefon bei uns klingelte und der Eigentümer von ihr mich fragte, ob wir Nateefa kaufen wollten. Ich war überaus erstaunt und fragte erst mal vorsichtig nach dem Preis. Dieser war allerdings so gering, daß man kaum "Nein" sagen konnte.
Nunja, sie hatte Probleme mit Hengsten, sprich beim Bedecken, wurde nach Aussage des Eigentümers nur alle 2 Jahre tragend und daher der geringe Preis. Sie war "erst" 13 Jahre alt und da wir einen eigenen Deckhengst hatten der sehr erfahren und ruhig mit Stuten umging, meinte meine Tante sie würde mir Nateefa zu meinem Geburtstag schenken, der ja nun nicht weit weg war... auch im Januar.
Meine Mutter holte sie ab, das heisst wir wollten uns dort treffen und ich hatte mich vor lauter Aufregung verfahren, sodaß Nateefa, als ich endlich wieder zu Hause war auch schon da war.

Die anfängliche Freude über mein neues Pferdchen ließ allerdings recht schnell nach: Nateefa hustete was das Zeug hielt, zog den Rücken nach oben und spritze dabei. Ein grauenhafter Anblick. Dazu auch noch leicht nach vorne geneigte Vorderbeine, wohl durch Überlastung...
Mir grauste. Unser Tierarzt half uns Nateefa´s Husten in den Griff zu bekommen, aber eine chronische Stauballergie und eine geschädigte Lunge blieben. Sie stand während dieser Zeit im Offenstall und das tat ihr sehr gut. Ans Reiten war natürlich nicht zu denken, aber das war auch zweitrangig. Hauptsache war erst mal, daß es Nateefa besser ging. Bekannte, die Nateefa schon vorher kannten hatten uns ja gewarnt: " Was wollt ihr mit dem Pferd, die lebt eh nicht mehr lange" Solche Aussagen und noch andere bekamen wir zu hören.
Nichts desto Trotz erholte sie sich bis Juni so gut, daß wir sie ohne Bedenken decken lassen konnten.
Das erste Mal an der Hand, weil sie ja Angst vor Hengsten haben sollte. Es ging wider Erwarten alles ganz toll und wir machten den Versuch sie mit dem Hengst auf die Weide zu lassen. Es dauerte keine halbe Stunde und Nateefa lief zum Hengst und ließ sich einwandfrei decken, ohne Angst, ohne Hektik. Ein Liebespaar wie es im Buche steht.
Sie brachte am 28.05.1989 ein quitschmunteres Hengstfohlen zur Welt und wurde auch im selben Jahr ohne Probleme wieder tragend.

Ihre Beine erholten sich und auch ihr sonstiger Zustand ließ es inzwischen zu, daß man mit ihr spazieren reiten konnte... spazieren... das fand sie überaus langweilig... sie legte gerne mal einen schnellen Galopp hin, war aber immer zuverlässig und mit leichter Hand zu reiten. Ich ritt sie Gebißlos und meist ohne Sattel.

Sie brachte einige Fohlen bei uns und alle zeichneten sich mit tadelosem Charachter und Reiteigenschaften aus. Außerdem vererbte sie ihren Typ und ihre Sanftheit.

Auf den Seiten mit ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln ist die Familienähnlichkeit wohl kaum zu übersehen.

2001 im Alter von 25 Jahren mußten wir sie leider im September einschläfern lassen.
Ihre Vorgeschichte hatte ihre Spuren hinterlassen und sie am Ende doch wieder eingeholt.
Sie fehlt uns und ist unersetzlich, wie jeder Freund der von uns geht.


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